Treppenlift in Mehrfamilienhaus: Was ist zu beachten?

57% der Deutschen leben zur Miete. Bei den Ein-Personen-Haushalten sind es sogar 72,5%. Weil jedoch nicht nur Eigentümer von Mobilitätseinschränkungen betroffen sind, stellen sich Betroffene folgende Fragen: Darf man einen Treppenlift im Mietshaus einbauen und wenn ja, wer zahlt den Einbau  – Mieter oder Vermieter? Und: Was gibt es sonst noch so an Vorschriften, die man beim Treppenlift-Einbau im Mietshaus beachten muss?

Ihr Ansprechpartner für Treppenlifte

Markus Weber

Recht auf barrierefreien Zugang zur Wohnung

Aus Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes ergibt sich der Anspruch auf einen barrierefreien Zugang zur eigenen Wohnung. Falls der Treppenlift medizinisch Notwendig ist – z. B. bei einer Gehbehinderung des Mieters / der Mieterin – darf der Eigentümer des Mietshauses den Treppenlift-Einbau nicht untersagen. Gleiches gilt für die Eigentümergemeinschaft eines Hauses mit mehreren Eigentumswohnungen. Falls der Einbau NICHT medizinisch notwendig ist, müssen Eigentümer bzw. Eigentümergemeinschaft IN JEDEM FALL zustimmen.

Das Recht auf den barrierefreien Zugang zur Wohnung überwiegt dem Interesse der / des Eigentümer(s) bzw. der übrigen Eigentümer, das optische Erscheinungsbild des Treppenhauses nicht zu verändern. Dies entschied u.a. das OLG München in einem Urteil im Jahr 2005 (Az.: 32 WX 051/05).

 

Mindestlaufbreite von Treppen in Mehrfamilienhäusern

Unabhängig davon, ob der Einbau mit oder ohne medizinische Notwendigkeit erfolgt, muss die Treppe in einem Mietshaus mit mehr als zwei Wohneinheiten eine Mindestlaufbreite von 80 cm haben. Bei der Mindestlaufbreite handelt es sich um die tatsächlich nutzbare Fläche, nicht die Gesamtbreite der Treppe. In einem Mehrfamilienhaus mit maximal zwei Wohneinheiten reichen 70 cm Mindestlaufbreite.

Art des Gebäudes

Mindestlaufbreite der notwendigen Treppe (Haupttreppe)

Mindestlaufbreite der zusätzlichen Treppe

 

Mehrfamilienhaus mit ein bis zwei Wohneinheiten

70 cm

50 cm

Miethaus mit mehr als zwei Wohneinheiten oder mehr als 400 m² Wohnfläche

80 cm

50 cm

 

Wer zahlt den Treppenlift-Einbau im Mehrfamilienhaus?

Die Kosten für Treppenlift samt Einbau sind stets von dem Mieter bzw. Eigentümer zu tragen, der den Einbau fordert – unabhängig von der medizinischen Notwendigkeit. Falls die Eigentümergemeinschaft sich darauf einigt, prophylaktisch einen Treppenlift zu installieren , um das Mietshaus barrierefrei zu gestalten, können die Kosten selbstverständlich aufgeteilt werden.

Finanzierungshilfen

Finanziert werden kann der Treppenlift im Mehrfamilienhaus zum Beispiel durch die KfW Förderung “Altersgerecht Umbauen – Investitionszuschuss (455)”. Hinweis: Leider sind die Bundesmittel derzeit aufgebraucht – eine Antragstellung ist daher momentan nicht möglich.

 

Bei medizinischer Notwendigkeit ist die Pflegekasse  Ansprechpartner Nr. 1. Ab Pflegegrad 1 beteiligt sich die Versicherung einmalig mit bis zu 4.000 Euro pro Person an wohnumfeldverbessernden Maßnahmen. Leben mehrere Pflegebedürftige in der gleichen Wohnung, kann der Zuschuss maximal vier Personen gewährt werden. Das entspricht einem Zuschuss von bis zu 16.000 Euro.

 

Bei Beziehern von Grundsicherung oder ALG 2 (Hartz IV) können Grundsicherungsamt bzw. die Agentur für Arbeit im Einzelfall bei der Finanzierung des verbeliebenden Eigenanteils nach Abzug des Pflegekassenzuschusses helfen.

Treppenlift in Mietshaus: Kann man die Kosten steuerlich geltend machen?

Falls eine Mietpartei den Einbau beauftragt und der Treppenlift notwendig ist (nachweislich), lassen sich die Kosten als außergewöhnliche Belastung von der Einkommenssteuer absetzen. Menschen mit Behinderung haben auch die Möglichkeit, einen Behinderten-Pauschbetrag geltend zu machen.

Treppenlift-Kosten als Renovierungsmaßnahme absetzen

Wird der Treppenlift NICHT von der Mietpartei bzw. des pflegebedürftigen Eigentümers einer Eigentumswohnung im Mehrfamilienhaus bezahlt, sondern als prophylaktische Maßnahme vom Vermieter / Eigentümer, ist der steuerliche Sachverhalt anders zu bewerten. Wenn keine unbedingte Notwendigkeit für den Treppenlift-Einbau besteht, das Haus durch den Treppenlift jedoch modernisiert / renoviert werden soll, können 20 % der Lohnkosten des Handwerkers abgesetzt werden. Allerdings ist die Steuerersparnis auf 1.200 Euro pro jahr begrenzt.

Über den Autor:
Sebastian Starnberger

Ist zuständig für den redaktionellen Gesundheitsbereich und Experte für barrierefreies Wohnen. Weiterhin interessiert er sich sehr für Pflegehilfsmittel.

Bildnachweis: Shutterstock (350895047)

Wir verwenden Cookies, um sicherzustellen, dass wir Ihnen die beste Erfahrung auf unserer Website bieten. Wenn Sie diese Seite weiterhin nutzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit zufrieden sind.