Krankenkasse: Übernimmt sie die Treppenlift-Kosten?

Sitz-, Steh- und Rollstuhllifte sind eine teure Angelegenheit. Vor allem bei kurvig verlaufenden Treppenaufgängen sind Kosten im 5-stelligen Bereich schnell erreicht – und das trotz gebrauchter Alternativen zu einem neuen Modell. Stellt sich also die Frage nach Zuschüssen und Fördermitteln. Der erste Ansprechpartner scheint die Krankenkasse zu sein, aber zahlt diese tatsächlich für einen Treppenlift? Und wenn ja: Wie hoch fällt die Kostenbeteiligung aus?

Ihr Ansprechpartner für Treppenlifte

Markus Weber
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Treppenlift: Pflegekasse übernimmt bis zu 4.000 Euro / Person

Die Krankenversicherung übernimmt streng genommen keine Treppenlift-Kosten. Vielmehr ist die Pflegekasse (ist der Krankenkasse angegliedert) zuständig. Schließlich ist ein bestehender Pflegegrad Voraussetzung für eine Kostenbeteiligung seitens der Pflege- / Krankenversicherung. Die maximale Beteiligungshöhe liegt bei 4.000 Euro pro zuschussberechtigter Person. Pro Haushalt können maximal vier Personen bezuschusst werden. Das entspricht einem möglichen Zuschuss von bis zu 16.000 Euro pro Haushalt.

Vorsicht:

Die Pflegekasse beteiligt sich nicht exklusiv an den Treppenlift-Kosten, sondern allgemein an den Kosten für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Wurde bereits Budget beansprucht, kann die Kostenbeteiligung beim Treppenlift also niedriger ausfallen.

Gibt es Unterschiede zwischen den gesetzl. und privaten Krankenkassen?

Anders als die gesetzliche Pflegeversicherung beteiligen sich private Krankenversicherer im EINZELFALL direkt an den Treppenlift-Kosten. Hier sind die individuellen Tarifbedingungen genau zu prüfen. Denn in der Regel beteiligt die sich die private Pflegekasse nur an Hilfsmitteln, die im Hilfsmittelkatalog der Versicherung definiert sind. Tipp: Am besten bei(m) Berater / der Beraterin nachfragen.

Wie kann ich den verbleibenden Eigenanteil finanzieren?

Liegt der Preis für einen Treppenlift über dem Betrag, der durch den Zuschuss der Pflegekasse gedeckt ist, muss der Rest eigenfinanziert werden. Nicht nur in angespannten finanziellen Situationen bereitet das Betroffenen oft schlaflose Nächte. Eine preiswerte Alternative zum Neukauf könnte der Kauf eines gebrauchten Treppenlifts sein. Falls der Treppenlift nur temporär benötigt wird – zum Beispiel im Anschluss an eine Operation (im Rahmen der häuslichen Kurzzeitpflege) – sollte über die Treppenlift Miete als Alternative zum Kauf nachgedacht werden.

Der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wird auch beim Kauf gebrauchter Treppenlifte gewährt. Selbst die Treppenlift-Miete kann auf diese Weise durch die Pflegeversicherung bezuschusst werden.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, die Treppenlift-Kosten bzw. den Eigenanteil beim Treppenlift-Kauf zu senken.

1. KfW

Mit dem Förderprogramm “Altersgerecht Umbauen – Investitionszuschuss (455)” beteiligt sich auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (kurz: KfW) an barrierefreien Umbauten wie dem Einbau eines Treppenlifts. Die Förderhöhe beträgt bis zu 6.250 Euro pro Wohneinheit.

2. Jobcenter / Sozialamt

Bei bestehender Bedürftigkeit (Bezug von Sozialleistungen wie ALG II oder Grundsicherung) helfen Jobcenter bzw. Grundsicherungsamt (Sozialamt) dabei, den Treppenlift-Eigenanteil zu finanzieren.

3. Ratenzahlung

Kann man den Gesamtbetrag für einen Treppenlift samt Einbau / Montage nicht auf einen Schlag aufbringen, bieten Händler meist die Möglichkeit der Finanzierung (Ratenzahlung). Auch bei gebrauchten Treppenliften können die Kosten in Raten beglichen werden, sofern das gebrauchte Modell bei einem seriösen Händler bezogen wird.

4. Steuerliche Absetzbarkeit

Der verbleibende Eigenanteil kann als außergewöhnliche Belastung in der Einkommensteuererklärung angegeben und damit steuerlich geltend gemacht werden. Voraussetzung ist auch hier, dass die Pflegeversicherung einen Pflegegrad (früher Pflegestufe) zugeteilt hat. Ab Pflegegrad 4 entfällt die Pflicht, dem Finanzamt die medizinische Notwendigkeit für den Treppenlift nachzuweisen.

Das Wichtigste zusammengefasst:

Die Krankenkasse beteiligt sich EINMALIG mit bis zu 4.000 Euro pro Person an den Kosten für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen.

Maximal werden 4-mal 4.000 Euro (16.000 Euro) Zuschuss pro Haushalt gewährt.

Die Beteiligung bezieht sich nicht direkt auf den Kauf / Einbau von Treppenliften. Wurde bereits Budget beansprucht (z. B. für ein barrierefreies Badezimmer), kann die Beteiligung demnach niedriger aus- oder gar gänzlich entfallen.

Voraussetzung, um den Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bei der Pflegekasse beantragen zu können, ist Pflegegrad 1 (oder höher).

Ändert sich der individuelle Pflegebedarf, kann der Zuschuss gegebenenfalls ein zweites Mal gewährt werden.

Der Antragsformular für den “Zuschuss für eine Maßnahme zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes” wird telefonisch bei der jeweiligen Pflegekasse beantragt.

Verbleibt trotz Pflegekassenzuschuss ein Eigenanteil, kann dieser durch weitere Fördermittel (z.B. KfW-Zuschuss) gesenkt werden. Zusätzlich lassen sich die Treppenlift-Kosten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.

Bezieher von Sozialleistungen sollten mit der Agentur für Arbeit bzw. dem zuständigen Grundsicherungsamt Kontakt aufnehmen, um den Restbetrag zu finanzieren.

Extra-Tipp: Pflegegrad beantragen

Falls noch kein Pflegegrad zugeteilt wurde, können Sie diesen ganz einfach formlos (schriftlich oder telefonisch) bei Ihrer Pflegeversicherung bzw. der Pflegekasse Ihre/Ihrer Angehörigen beantragen. Die Versicherung wird daraufhin einen Vor-Ort-Termin mit einem Gutachter veranlassen. Dieser verschafft sich anhand eines Kriterienkatalogs ein genaues Bild über die Selbstständigkeit / Pflegebedürftigkeit des/der Betroffenen.

Über den Autor:
Sebastian Starnberger

Ist zuständig für den redaktionellen Gesundheitsbereich und Experte für barrierefreies Wohnen. Weiterhin interessiert er sich sehr für Pflegehilfsmittel.

Bildnachweis: Shutterstock (35585542)

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